Zwischen Stolz und Schockmoment

Die ersten Bücher sind bei mir angekommen.

Und vorweg – ich bin mit der Qualität und der Covergestaltung wirklich sehr zufrieden. Es bildet sich trotzdem immer ein kleines Bauchweh zuvor. Die Frage, ob ein Cover auf echtem Papier genauso wirkt wie auf dem Bildschirm des eigenen Laptops. Ob die Farben passen. Ob die Stimmung funktioniert. Ob das Buch am Ende wirklich wie ein richtiges Buch wirkt – oder nur wie eine Datei, die man drucken ließ.

Die ersten Verkäufe an treue Leserinnen und Leser sind ebenfalls bereits rausgegangen und ich warte inzwischen fast nervöser auf ehrliche Rückmeldungen als damals auf die ersten gedruckten Exemplare.

Und dann kam gestern Abend dieser eine Moment.

Kennt ihr das, wenn einem plötzlich heiß wird und der Puls ansteigt, weil man erkennt
»Scheiße. Da könnte etwas richtig schiefgelaufen sein.«

Ich öffnete hektisch Dateien am PC, nahm das Hardcover in die Hand, dann das Taschenbuch – und tatsächlich. Da war ein Fehler.

So ein Moment trifft einen härter, als man vielleicht glaubt. Man ist überzeugt, alles mehrfach kontrolliert zu haben. Jede Seite. Jede Überschrift. Jede Reihenfolge.

Und dann entdeckt man plötzlich einen Strukturfehler.

Von wem verschuldet? Natürlich von mir.
Wie weit mein Schreibprogramm daran beteiligt war, kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Aber die Endkontrolle meinerseits hat versagt. Punkt.

Was genau ist passiert?

Das fertige Manuskript wurde von mir noch einmal komplett gelesen. Inhaltlich war alles stimmig. Hier und da ergänzte ich Kleinigkeiten, außerdem bekam der Schluss noch ein paar zusätzliche Seiten, damit am Ende – wenn überhaupt – nur kleine Fragezeichen im Kopf bleiben.

Eine Sache störte mich allerdings schon länger.
Die Kapitel waren zu lang.
Neun große Kapitel plus Prolog und Epilog. Als Leser hätte ich mir selbst kaum natürliche Pausen gegönnt. Deshalb zerlegte ich das Manuskript nachträglich in kleinere, logisch getrennte Szenen – sortiert nach Zeit, Perspektive und Ort.

Das Ergebnis gefiel mir sofort.
Die Kapitel wurden kürzer, dynamischer und angenehmer zu lesen. Man erreicht einen Punkt und denkt
»Okay, hier endet etwas.«
Und auf der nächsten Seite beginnt sauber die nächste Szene.

Eigentlich perfekt.
Mit einem kleinen Haken.
Durch einen mir bis heute unerklärlichen Fehler landete Kapitel 35 plötzlich zwischen Kapitel 50 und 51.

Was passiert, wenn man das liest, ohne es zu wissen?

Man merkt zunächst nur, dass sich etwas leicht seltsam anfühlt. Kapitel 34 endet mit der Verabschiedung zweier Figuren nach einem Abendessen. Kapitel 36 beginnt an einem anderen Ort und aus einer anderen Perspektive.
Das ist in einem Roman nicht ungewöhnlich. Deshalb erkennt man nicht sofort, dass ungefähr zwölf Seiten fehlen.

Erst später – nach Kapitel 50 – tauchen diese zwölf Seiten plötzlich auf.
Und genau das kann natürlich verwirrend sein.

Für alles gibt es eine Lösung. Auch für Fehler, die eigentlich nie passieren sollten.
Ich habe das korrigierte Manuskript sofort bei Amazon KDP hochgeladen. Alle zukünftigen Bestellungen enthalten die richtige Reihenfolge.

Die bereits gedruckten Bücher bleiben allerdings, wie sie sind.
Deshalb habe ich zwei Einlageblätter gestaltet und jedes fehlerhafte Exemplar damit ausgestattet, damit niemand lange rätseln muss und sofort erkennt, an welcher Stelle Seiten fehlen.

Zusätzlich habe ich den Fehler offen auf Facebook und im WhatsApp-Kanal kommuniziert.
Mehr kann man in so einem Moment nicht tun.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Leserinnen und Leser, die ein fehlerhaftes Exemplar in den Händen halten, ein wenig Nachsicht mitbringen.

Und vielleicht macht genau dieser kleine Produktionsfehler die erste Auflage irgendwann zu etwas Besonderem.

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